Perozo – Social Design made in Kiel

Die Industriedesignerin Janet Perozo erfüllt alle Voraussetzungen, um eine erfolgreiche Gründerin zu sein. Sie hat eine innovative Produktidee, Gründerinnengeist und Durchhaltevermögen. Ihre Erfindung konnte die Absolventin der Muthesius Kunsthochschule mit Unterstützung des Transferparks zudem patentrechtlich schützen: Ein neuartiges Schnittmuster für Oberbekleidung, das es stillenden Müttern erheblich erleichtert, ihr Baby anzulegen. Hinter einer großen Kellerfalte verbergen sich zwei senkrechte Schlitze, die der Mutter das Stillen ihres Babys gestatten. Ganz unkompliziert, diskret und deshalb überall. 

Ursprünglich hatte sie diesen Schnitt entwickelt, um damit OP-Hemden für Kaiserschnittpatientinnen neu zu gestalten und den frischgebackenen Müttern die ersten Tage im Krankenhaus zu erleichtern. Das ist mehr als zwei Jahre her. Inzwischen hat sich viel getan. Sie hat nicht nur mit stillenden Müttern, sondern auch mit Ärzt*innen, Pflegepersonal, Hebammen, Mütterberatungsstellen, Gleichstellungsbeauftragten, Produzent*innen von Krankenhaustextilien und dem einschlägigen Einzelhandel gesprochen. Durch diese Kontextanalyse konnten die Bedürfnisse der Nutzerinnen optimal in die Produktgestaltung einbezogen werden.

Janet Perozo hat nun ihre eigene Marke perozo® angemeldet, Prototypen hergestellt und – über das Pflegehemd hinausgehend – eine Stillmode-Kollektion entworfen. Denn schließlich können von ihrer Idee alle stillenden Mütter profitieren, nicht nur Kaiserschnittgebärende.
Aktuell verhandelt Perozo mit einem weltweit agierenden Hersteller von Krankenhaustextilien
über eine Lizensierung des Schnittmusters, so dass sie sich ganz auf die Stillmode konzentrieren kann.

Die sorgfältige Recherche der Designerin hat aber noch ein weiteres Problem offen gelegt: Stillende Mütter stoßen in der Öffentlichkeit noch immer auf eine nicht zu unterschätzende Ablehnung. Neben der gesellschaftlichen Akzeptanz fehlen überall einfache Rückzugsräume, die stillenden Müttern das Leben leichter machen würden. Aufgrund dieses Wissens möchte die Muthesius Kunsthochschule jetzt mit dem Projekt „Stillräume in der KielRegion“ Abhilfe schaffen.

Wir sind sehr stolz darauf, dass Janet Perozo mit ihrer Idee so weit gekommen ist und werden auch in Zukunft begleitend an ihrer Seite stehen.

 

www.instagram.com/_perozo_/
12.03.2020 ,

Muthesius Transferpark – Gestaltungsraum für Innovation


Der Muthesius Transferpark ist das Kompetenzzentrum der Kunsthochschule. Mit ihrem speziellen Wissen und ihrer Perspektive sind Gestalter*innen, Designer*innen, Raumstrategen*innen und Künstler*innen Impulsgeber*innen in jedem Innovationsprozess. Ganz gleich, ob es dabei um Produkte, Diskurse oder Veränderungsprozesse in Unternehmen, Institutionen oder in der Gesellschaft geht. Weil Transfer immer auch etwas mit Perspektivwechsel zu tun hat, haben wir bewusst Räume außerhalb der Kunsthochschule bezogen.

Transfer ist keine Einbahnstraße: Wir sorgen für den Austausch und für Kooperationen mit Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Mit unseren speziellen Projekt-, Veranstaltungs- und Qualifizierungsformaten verknüpfen wir die Kompetenzen aus verschiedenen Welten. Dabei verstehen wir uns auch als Übersetzer*innen für ein breiteres Verständnis von Design und Gestaltung. Denn hervorragendes Design ist viel mehr als ein Produkt. Es ist ein offener Prozess. Eine Methode, die den Anspruch an höchste Qualität ebenso braucht wie den Mut zum Scheitern, Verwerfen und wieder neu Losgehen – und die gerade darum besonders gut dazu beitragen kann, dass Innovationsvorhaben gelingen. Dass wir dies anbieten können, ist in Schleswig-Holstein etwas ganz Besonderes, denn wir sind die einzige Kunsthochschule im Land.

Transfer heißt bewegen, verändern, umsetzen

Lehrende und Studierende entwickeln jedes Semester Fragestellungen zu den aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Themen, sie erforschen und entwerfen Lösungen. In unserem Innovationslabor auf dem Anscharcampus können Entwürfe vertieft, weitergedacht und umgesetzt werden – als Transferprojekte in allen Themenfeldern, zu denen an der Kunsthochschule, auch interdisziplinär, gelehrt und geforscht wird. Dazu zählen Medical Design/Health Care, Demografie, Mobilität, Nachhaltigkeit/Klimaschutz, Digitalisierung, Wissenschaftskommunikation, Produktion der Zukunft, Zukunft der Innenstadt,

Zum Innovationslabor gehören Arbeitsräume sowie eigene Werkräume. Ausgestattet als moderne Werkstatt ist hier Raum für den Transfer von Ideen und Modellen in umsetzbare Strukturen. Wir beraten und begleiten Projektteams dabei, ihre Entwürfe zu hinterfragen, Gedanken zu vertiefen, mit Material zu experimentieren. Die Werkräume sind zugleich Vernetzungs- und Austauschraum. Experten*innen können hier die Fachkenntnisse ihres Gebietes mit anderen teilen und sich austauschen. Dies ermöglichen wir in wiederkehrenden Gesprächs- und Tüftelrunden zu bestimmten Themen, Materialien oder Werkzeugen als auch mit Fachvorträgen.

Hintergrund

Der Muthesius Transferpark wurde zum 1. April 2017 zunächst für fünf Jahre als Kompetenzzentrum bewilligt. Gefördert mit Mitteln der EU und des Landes Schleswig-Holstein, haben wir im Sommer 2017 unsere Arbeit aufgenommen. Wissenschaftliche Leiterin unseres interdisziplinären Teams ist Dr. Inge Schröder, Prof. Dr. Bettina Möllring leitet das Projekt auf Seiten der Kunsthochschule. Die Koordinatorinnen Anke Müffelmann und Susanne Kollmann verantworten Innovationslabor, Vernetzung sowie Qualifizierung und Internationalisierung, Tanja Lücker ist zuständig für Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit. Die Werkräume liegen in den Händen von Tobias Gehrke, Susanne Martens ist zuständig für Finanzen und Personal. Projektpartner des Transferparks ist die Kieler Wirtschaftsförderung GmbH.

Fragen?

Dr. Inge Schröder
T +49 (0)172 / 420 230 8, E schroeder@muthesius.de