Kunst trifft Wissenschaft – Beim 12. Forum Wissenschaftskommunikation drehte sich alles um Wissenstransfer über Tellerränder hinweg

Einmal im Jahr treffen sich Kommunikator*innen, Entscheider*innen und Wissenschaftler*innen von Hochschulen und Organisationen aus dem deutschsprachigen Raum zum Forum Wissenschaftskommunikation. Es ist die größte Fachtagung dieser Art, ausgerichtet von Wissenschaft im Dialog, WiD, der Organisation für Wissenschaftskommunikation in Deutschland. Das 12. Forum fand vom 10. bis 12. Dezember 2019 in Essen statt. Klar, dass der Schwerpunkt „Kunst trifft Wissenschaft“ aus unserer Sicht besonders zog. Susanne Kollmann, Koordinatorin für Sichtbarkeit und Netzwerke im Transferpark, war neugierig, welche Potenziale andere darin sehen und stürzte sich in das Programm aus Vorträgen, Panels, Workshops und Best-Practice-Sessions – Networking und Einblicke in neue Trends und Strategien inklusive.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Reise in die ehemalige Kohlemetropole hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Zu allererst, weil sich mal aus ganz anderen, überaus heterogenen Perspektiven zeigte, dass der Muthesius Transferpark mit seinem transdisziplinären Konzept des Wissenstransfers aus der Kunsthochschule in Wirtschaft und Gesellschaft und umgekehrt ganz auf der Höhe der Zeit ist. Zwei Inspirationen aus dem prallen Programm seien hier herausgegriffen. 

Gleich zum Auftakt forderte Michael John Gorman in seiner Keynote: „Wir müssen uns zunächst davon verabschieden, dass Kunst das Gegenteil von Wissenschaft ist.“ Künstler*innen stellen einfach nur ganz andere Fragen an ein Thema als Wissenschaftler*innen, so der Gründer der „Science Gallery“ am Trinity College in Dublin und Gründungsdirektor des Münchener Museumsprojekts „BIOTOPIA“. Er weiß aus Erfahrung, wenn Kunst und Wissenschaft sich verbinden, wird eine neue Form der Vermittlung von Wissen möglich: Sie kann Menschen aus ihrer Komfortzone herauslocken, indem sie neue Sichtweisen anstößt. Um das volle Potenzial beider Welten auszuschöpfen, darf sich die Kunst aber nicht in den Dienst der Wissenschaft stellen, beide müssten auf Augenhöhe miteinander agieren. „Wir müssen Räume schaffen, in denen sich die verschiedenen Disziplinen verbinden können. Diese Verbindung als offenen demokratischen Prozess umzusetzen, ist eines der großen aktuellen Themen. Für ein gemeinsames Verständnis brauchen wir Vermittler zwischen den unterschiedlichen Kulturen.“In Deutschland ist da noch reichlich Luft nach oben, stellte er fest. Hier wird noch viel zu sehr in getrennten Räumen agiert. Es ist also auch eine Frage der Haltung, mehr aufeinander zuzugehen und disziplinäre Grenzen zu überwinden. 

Eine perfekte Ergänzung war das Panel „Third Mission und gesellschaftliche Verantwortung“ am letzten Tag. Mit Third Mission sind alle Aktivitäten einer Hochschule gemeint, die im Kontext von Forschung und Lehre stattfinden, aber nicht Forschung und Lehre sind. Dazu zählen wesentlich Fortbildung, Wissenstransfer sowie Internationales, Diversität und gesellschaftliche Verantwortung. Mit ihren Aktivitäten auf diesen Feldern können Hochschulen sich mitten in der Gesellschaft positionieren – je nachdem wie stark sie sich gesellschaftlich engagieren können oder wollen. Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbands, sieht in der Third Mission eine „natürliche Weiterentwicklung von Forschung im öffentlichen Raum“. Er wünscht sich eine deutlich nachfrageorientierte Wissenskommunikation, die zuhört und sich mit ihren Formaten daran orientiert, was die Gesellschaft interessiert. Auch hier ging es um eine veränderte Haltung, die Podiumsteilnehmer*innen sprachen sogar von einem Paradigmenwechsel. Weg von einer Kommunikation, die den Menschen erklärt, was sie zu interessieren hat, hin zum Dialog mit der Gesellschaft.

13.01.2020 , ,

Muthesius Transferpark – Gestaltungsraum für Innovation


Der Muthesius Transferpark ist das Kompetenzzentrum der Kunsthochschule. Mit ihrem speziellen Wissen und ihrer Perspektive sind Gestalter*innen, Designer*innen, Raumstrategen*innen und Künstler*innen Impulsgeber*innen in jedem Innovationsprozess. Ganz gleich, ob es dabei um Produkte, Diskurse oder Veränderungsprozesse in Unternehmen, Institutionen oder in der Gesellschaft geht. Weil Transfer immer auch etwas mit Perspektivwechsel zu tun hat, haben wir bewusst Räume außerhalb der Kunsthochschule bezogen.

Transfer ist keine Einbahnstraße: Wir sorgen für den Austausch und für Kooperationen mit Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Mit unseren speziellen Projekt-, Veranstaltungs- und Qualifizierungsformaten verknüpfen wir die Kompetenzen aus verschiedenen Welten. Dabei verstehen wir uns auch als Übersetzer*innen für ein breiteres Verständnis von Design und Gestaltung. Denn hervorragendes Design ist viel mehr als ein Produkt. Es ist ein offener Prozess. Eine Methode, die den Anspruch an höchste Qualität ebenso braucht wie den Mut zum Scheitern, Verwerfen und wieder neu Losgehen – und die gerade darum besonders gut dazu beitragen kann, dass Innovationsvorhaben gelingen. Dass wir dies anbieten können, ist in Schleswig-Holstein etwas ganz Besonderes, denn wir sind die einzige Kunsthochschule im Land.

Transfer heißt bewegen, verändern, umsetzen

Lehrende und Studierende entwickeln jedes Semester Fragestellungen zu den aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Themen, sie erforschen und entwerfen Lösungen. In unserem Innovationslabor auf dem Anscharcampus können Entwürfe vertieft, weitergedacht und umgesetzt werden – als Transferprojekte in allen Themenfeldern, zu denen an der Kunsthochschule, auch interdisziplinär, gelehrt und geforscht wird. Dazu zählen Medical Design/Health Care, Demografie, Mobilität, Nachhaltigkeit/Klimaschutz, Digitalisierung, Wissenschaftskommunikation, Produktion der Zukunft, Zukunft der Innenstadt,

Zum Innovationslabor gehören Arbeitsräume sowie eigene Werkräume. Ausgestattet als moderne Werkstatt ist hier Raum für den Transfer von Ideen und Modellen in umsetzbare Strukturen. Wir beraten und begleiten Projektteams dabei, ihre Entwürfe zu hinterfragen, Gedanken zu vertiefen, mit Material zu experimentieren. Die Werkräume sind zugleich Vernetzungs- und Austauschraum. Experten*innen können hier die Fachkenntnisse ihres Gebietes mit anderen teilen und sich austauschen. Dies ermöglichen wir in wiederkehrenden Gesprächs- und Tüftelrunden zu bestimmten Themen, Materialien oder Werkzeugen als auch mit Fachvorträgen.

Hintergrund

Der Muthesius Transferpark wurde zum 1. April 2017 zunächst für fünf Jahre als Kompetenzzentrum bewilligt. Gefördert mit Mitteln der EU und des Landes Schleswig-Holstein, haben wir im Sommer 2017 unsere Arbeit aufgenommen. Wissenschaftliche Leiterin unseres interdisziplinären Teams ist Dr. Inge Schröder, Prof. Dr. Bettina Möllring leitet das Projekt auf Seiten der Kunsthochschule. Die Koordinatorinnen Anke Müffelmann und Susanne Kollmann verantworten Innovationslabor, Vernetzung sowie Qualifizierung und Internationalisierung, Tanja Lücker ist zuständig für Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit. Die Werkräume liegen in den Händen von Tobias Gehrke, Susanne Martens ist zuständig für Finanzen und Personal. Projektpartner des Transferparks ist die Kieler Wirtschaftsförderung GmbH.

Fragen?

Dr. Inge Schröder
T +49 (0)172 / 420 230 8, E schroeder@muthesius.de