Wie und was können Unternehmen von Muthesianer*innen lernen? Lars Baumann von der ELAC Electroacustic GmbH und Frank Wedemeyer von der ACO Gruppe erzählen

Im Sommersemester 2019 fanden zwei ganz besondere Kooperationen statt: mit der Büdelsdorfer ACO Severin Ahlmann GmbH & Co. KG und mit der Kieler ELAC Electroacustic GmbH. In den beiden Transferprojekten arbeiteten Studierende aus dem Industriedesign mit ihren Professor*innen und Dozent*innen zusammen mit Mitarbeiter*innen des jeweiligen Unternehmens an konkreten und weniger konkreten Lösungen rund um Wasser bzw. Klang. Genaueres ist leider noch streng geheim, dafür geben aber Lars Baumann, Geschäftsführer der ELAC Electroacustic GmbH, und Frank Wedemeyer, Leiter Service und Design der ACO Gruppe, einen Einblick in ihre Zusammenarbeit mit der Muthesius Kunsthochschule.

 

Lars Baumann, Geschäftsführer der ELAC Electroacustic GmbH

Warum kooperiert ELAC mit der Muthesius Kunsthochschule?
ELAC verkauft in Märkte, in denen Design ein wichtiger Faktor bei der Kaufentscheidung des Kunden ist. Damit sind wir gerade in den letzten Jahren sehr erfolgreich gewesen. Die Einbeziehung von neuen, frischen Ideen ist dabei immer wieder wichtig und das gelingt meines Erachtens unter anderem dadurch gut, dass man die Türen öffnet und neue Leute und Gedanken hinein lässt. Das kann ja auch immer Rahmen einer solchen Kooperation stattfinden. Und da der Muthesius Kunsthochschule ein sehr guter Ruf vorauseilt und die Hochschule auch noch hier in Kiel ansässig ist, haben wir uns die Hochschule als Kooperationspartner gesucht.

Was läuft bei diesem (Produktentwicklungs-)Prozess anders als sonst?
Die von außen hinein gebrachten Gedanken sind neu, anders, frei und manchmal geradezu „disruptiv“. Und damit sind sie genau das, was in Projekten immer wieder notwendig ist, um in der Kombination mit vorhandenen Erfahrungswerten zu erfolgreichen Produkten zu kommen.

Was hat im Laufe der Kooperation überrascht?
Mich persönlich überrascht der Mut der Studierenden, sich und die eigene Arbeit vollkommen offen zu präsentieren und sich dabei auch ein gesundes Maß an Freiheit zu nehmen. Bezogen auf die Aufgabenstellung meine ich damit die Vielzahl der Entwürfe, Vorschläge und Hinweise, die wir so weit bekommen haben.

 

Frank Wedemeyer, Leiter Service und Design der ACO Severin Ahlmann GmbH & Co. KG

Warum kooperiert ACO mit der Muthesius Kunsthochschule?
Dafür gibt es eigentlich drei Antworten, die miteinander verbunden sind. Zuerst einmal ist ACO immer auf der Suche nach gutem, qualifizierten Nachwuchs. Da bietet es sich direkt an, in die Muthesius Kunsthochschule zu schauen. Außerdem entwickelt sich ACO gerade zu einem Innovationsunternehmen, sodass wir schauen, wer eingebunden werden kann, wer befruchtend dabei wirkt. Auch hier ist der Weg zur Kunsthochschule nicht weit. Und zu guter Letzt: Als Alumnus habe ich eine persönliche Bindung zur Muthesius Kunsthochschule.

Was läuft bei diesem (Produktentwicklungs-)Prozess anders als sonst?
Die jetzige Zusammenarbeit ist ein erster Startschuss für weitere Kooperationen. Es geht dabei weitestgehend noch nicht um konkrete Produkte. Das soll zukünftig anders werden. Sonst arbeiten wir zwar auch mit Designer*innen zusammen, aber dabei geht es immer gleich um ein bestimmtes Produkt. Diese Kooperation lässt hingegen auch mal über den Tellerrand schauen, weil sie viel breiter angelegt ist. Gleichzeitig hoffen wir auf Impulse, die sich doch wieder direkt auf Produkte beziehen lassen. Noch wissen wir aber nicht genau, was aus dem Projekt herauskommt.

Was hat im Laufe der Kooperation überrascht?
Ganz klar: Die Vielfalt der Ideen. Dass die Studierenden dem Projekt so enthusiastisch begegnen, hat mich hingegen nicht überrascht – das wusste ich. Das gesamte Vorgehen ist sehr professionell, was auch an der Begleitung der Dozierenden und es Transferparks liegt. Das ist auch nicht überraschend, aber begeisternd!

10.07.2019 ,

Muthesius Transferpark – Gestaltungsraum für Innovation


Der Muthesius Transferpark ist das Kompetenzzentrum der Kunsthochschule. Mit ihrem speziellen Wissen und ihrer Perspektive sind Gestalter, Designer, Raumstrategen und Künstler Impulsgeber in jedem Innovationsprozess. Ganz gleich, ob es dabei um Produkte, Diskurse oder Veränderungsprozesse in Unternehmen, Institutionen oder in der Gesellschaft geht. Weil Transfer immer auch etwas mit Perspektivwechsel zu tun hat, haben wir bewusst Räume außerhalb der Kunsthochschule bezogen: In Haus 1 auf dem Anscharcampus gehören wir zum jungen Kreativquartier in Kiel-Wik.

Transfer ist keine Einbahnstraße: Wir sorgen für den Austausch und für Kooperationen mit Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Mit unseren speziellen Projekt-, Veranstaltungs- und Qualifizierungsformaten verknüpfen wir die Kompetenzen aus verschiedenen Welten. Dabei verstehen wir uns auch als Übersetzer für ein breiteres Verständnis von Design und Gestaltung. Denn hervorragendes Design ist viel mehr als ein Produkt. Es ist ein offener Prozess. Eine Methode, die den Anspruch an höchste Qualität ebenso braucht wie den Mut zum Scheitern, Verwerfen und wieder neu Losgehen – und die gerade darum besonders gut dazu beitragen kann, dass Innovationsvorhaben gelingen. Dass wir dies anbieten können, ist in Schleswig-Holstein etwas ganz Besonderes, denn wir sind die einzige Kunsthochschule im Land.

Transfer heißt bewegen, verändern, umsetzen

Lehrende und Studierende entwickeln jedes Semester Fragestellungen zu den aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Themen, sie erforschen und entwerfen Lösungen. In unserem Innovationslabor auf dem Anscharcampus können Entwürfe vertieft, weitergedacht und umgesetzt werden – als Transferprojekte in allen Themenfeldern, zu denen an der Kunsthochschule, auch interdisziplinär, gelehrt und geforscht wird. Dazu zählen Medical Design/Health Care, Demografie, Mobilität, Nachhaltigkeit/Klimaschutz, Digitalisierung, Wissenschaftskommunikation, Produktion der Zukunft, Zukunft der Innenstadt,

Zum Innovationslabor gehören Arbeitsräume sowie eigene Werkräume. Ausgestattet als moderne Werkstatt ist hier Raum für den Transfer von Ideen und Modellen in umsetzbare Strukturen. Wir beraten und begleiten Projektteams dabei, ihre Entwürfe zu hinterfragen, Gedanken zu vertiefen, mit Material zu experimentieren. Die Werkräume sind zugleich Vernetzungs- und Austauschraum. Experten können hier die Fachkenntnisse ihres Gebietes mit anderen teilen und sich austauschen. Dies ermöglichen wir in wiederkehrenden Gesprächs- und Tüftelrunden zu bestimmten Themen, Materialien oder Werkzeugen als auch mit Fachvorträgen. Für Workshops und größere Veranstaltungen nutzen wir die neu eingerichteten Seminarräume in Haus 1.

Hintergrund

Der Muthesius Transferpark wurde zum 1. April 2017 zunächst für fünf Jahre als Kompetenzzentrum bewilligt. Gefördert mit Mitteln der EU und des Landes Schleswig-Holstein, haben wir im Sommer 2017 unsere Arbeit aufgenommen. Wissenschaftliche Leiterin unseres interdisziplinären Teams ist Dr. Inge Schröder, Prof. Dr. Bettina Möllring leitet das Projekt auf Seiten des Präsidiums der Kunsthochschule. Die Koordinatorinnen Anke Müffelmann und Susanne Kollmann verantworten Innovationslabor, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung sowie Qualifizierung und Internationalisierung. Die Werkräume liegen in den Händen von Tobias Gehrke, Susanne Martens ist zuständig für Finanzen und Personal. Projektpartner des Transferparks sind die Kieler Wirtschaftsförderung GmbH und die Anschar Kultur- und Kreativwirtschaft GmbH.

Fragen?

Dr. Inge Schröder
T +49 (0)172 / 420 230 8, E schroeder@muthesius.de