Ein neues Veranstaltungsformat für den Muthesius Transferpark

Am 19. Februar 2019 fand „Design for debate“, das neue, öffentliche Veranstaltungsformat des Muthesius Transferparks, das erste Mal statt. Das Konzept „Design for debate“ geht auf die Designer*innen Tony Dunne und Fiona Raby zurück, die Design als Medium verstehen, das Debatten, z. B. rund um soziale und kulturelle Aspekte neuer Technologien, ermöglicht. Durch Impulse von Professorin Bettina Möllring hat der Transferpark ein Format, das diese Gedanken aufnimmt, ins Leben gerufen. Für die erste Veranstaltung von „Design for debate“ konnten wir, ebenfalls dank Bettina Möllring, dann auch gleich wunderbare Gäste gewinnen: das Team von „serVies“, Architektin Iris de Kievith und Designerin Annemarie Piscaer aus Rotterdam. Mit dabei hatten die beiden ihr Feinstaubgeschirr, Keramik mit einer Glasur aus selbst „geerntetem“ Feinstaub. Durch diese visuelle und haptische Erfahrung von Feinstaub wurde ein Diskurs mit dem Publikum rund um Luftverschmutzung, auch in Kiel, angeregt. Und für die rund 40 Gäste gab es im Anschluss noch eine Besonderheit: Feinstaub zum Abendbrot. Oder vielmehr einen kleinen Imbiss von mit Feinstaub glasierten Tellern.

Trotz Lebensmittelechtheit wollte da nicht jedes Stückchen Brot gleich gut schmecken … Während ihres Kielaufenthalts brachen Annemarie Piscaer und Iris de Kievith im Rahmen des Workshopwoche des Forums für interdisziplinäre Studien dann auch noch mit Studierenden zur Feinstaubernte auf und gestalteten mit ihnen ein eigenes Kieler Feinstaubservice. Bei Aktionen der „Fridays for Future“ im März stellten die Workshopteilnehmer*innen Magdalena und Johannes das Geschirr interessierten Schüler*innen vor. Ein guter Aufhänger für weitere Debatten!

    

Die zweite Veranstaltung „Design for debate – public urinals for women“ folgte am 29. April 2019. Bei strahlendem Sonnenschein, noch dazu an einem Montagabend, war das Glasfoyer der Kunsthochschule bis über den letzten Platz hinaus gefüllt. Dieses Mal lockten Designerin und Professorin Bettina Möllring sowie Social Designerin Elisa Otañez mit jeder Menge Input und natürlich mit ihren Designs („Yellow Spot“ von Elisa Otañez: oben links im linken Bild; „Kleine Ecke“ von Bettina Möllring: im selben Bild in verschiedenen Ausführungen).

Frauen pinkeln anders als Männer, können mit einem öffentlichen, klassischen Sitzklo eigentlich wenig anfangen. Um sich dennoch möglichst hygienisch zu erleichtern, seien sie zum Hocken oder Nestbauen (Toilettenpapier trifft Brille) gezwungen, erläuterte Bettina Möllring. Gutes, gerechtes Design funktioniert sicher anders. Seit rund 100 Jahren sei der Standard für Toiletten im öffentlichen Raum aber so gut wie unverändert geblieben. Elisa Otañez startete daher mit ihrem Projekt „Yellow Spot“ einen Weckruf. Mit der quietschgelben, rollbaren Kabine inklusive urinsammelndem Container ist ihr Design vor allem eine Form des Protests. Die Designs und der von Bettina Möllring vorgenommene historische Streifzug ließen letztendlich nur ein Fazit zu: Ein Urinal für alle muss endlich her. Für vertiefende Debatten riefen dann noch harntreibende Snacks und Getränke samt einem bewussteren Umgang mit den umliegenden, verfügbaren Sanitäranlagen.

Die Reihe wird in lockerer Folge fortgesetzt, Themenvorschläge können aus allen Studienbereichen an das Team des Transferparks gerichtet werden.

06.05.2019

Muthesius Transferpark – Gestaltungsraum für Innovation


Der Muthesius Transferpark ist das Kompetenzzentrum der Kunsthochschule. Mit ihrem speziellen Wissen und ihrer Perspektive sind Gestalter*innen, Designer*innen, Raumstrategen*innen und Künstler*innen Impulsgeber*innen in jedem Innovationsprozess. Ganz gleich, ob es dabei um Produkte, Diskurse oder Veränderungsprozesse in Unternehmen, Institutionen oder in der Gesellschaft geht. Weil Transfer immer auch etwas mit Perspektivwechsel zu tun hat, haben wir bewusst Räume außerhalb der Kunsthochschule bezogen.

Transfer ist keine Einbahnstraße: Wir sorgen für den Austausch und für Kooperationen mit Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Mit unseren speziellen Projekt-, Veranstaltungs- und Qualifizierungsformaten verknüpfen wir die Kompetenzen aus verschiedenen Welten. Dabei verstehen wir uns auch als Übersetzer*innen für ein breiteres Verständnis von Design und Gestaltung. Denn hervorragendes Design ist viel mehr als ein Produkt. Es ist ein offener Prozess. Eine Methode, die den Anspruch an höchste Qualität ebenso braucht wie den Mut zum Scheitern, Verwerfen und wieder neu Losgehen – und die gerade darum besonders gut dazu beitragen kann, dass Innovationsvorhaben gelingen. Dass wir dies anbieten können, ist in Schleswig-Holstein etwas ganz Besonderes, denn wir sind die einzige Kunsthochschule im Land.

Transfer heißt bewegen, verändern, umsetzen

Lehrende und Studierende entwickeln jedes Semester Fragestellungen zu den aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Themen, sie erforschen und entwerfen Lösungen. In unserem Innovationslabor auf dem Anscharcampus können Entwürfe vertieft, weitergedacht und umgesetzt werden – als Transferprojekte in allen Themenfeldern, zu denen an der Kunsthochschule, auch interdisziplinär, gelehrt und geforscht wird. Dazu zählen Medical Design/Health Care, Demografie, Mobilität, Nachhaltigkeit/Klimaschutz, Digitalisierung, Wissenschaftskommunikation, Produktion der Zukunft, Zukunft der Innenstadt,

Zum Innovationslabor gehören Arbeitsräume sowie eigene Werkräume. Ausgestattet als moderne Werkstatt ist hier Raum für den Transfer von Ideen und Modellen in umsetzbare Strukturen. Wir beraten und begleiten Projektteams dabei, ihre Entwürfe zu hinterfragen, Gedanken zu vertiefen, mit Material zu experimentieren. Die Werkräume sind zugleich Vernetzungs- und Austauschraum. Experten*innen können hier die Fachkenntnisse ihres Gebietes mit anderen teilen und sich austauschen. Dies ermöglichen wir in wiederkehrenden Gesprächs- und Tüftelrunden zu bestimmten Themen, Materialien oder Werkzeugen als auch mit Fachvorträgen.

Hintergrund

Der Muthesius Transferpark wurde zum 1. April 2017 zunächst für fünf Jahre als Kompetenzzentrum bewilligt. Gefördert mit Mitteln der EU und des Landes Schleswig-Holstein, haben wir im Sommer 2017 unsere Arbeit aufgenommen. Wissenschaftliche Leiterin unseres interdisziplinären Teams ist Dr. Inge Schröder, Prof. Dr. Bettina Möllring leitet das Projekt auf Seiten der Kunsthochschule. Die Koordinatorinnen Anke Müffelmann und Susanne Kollmann verantworten Innovationslabor, Vernetzung sowie Qualifizierung und Internationalisierung, Tanja Lücker ist zuständig für Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit. Die Werkräume liegen in den Händen von Tobias Gehrke, Susanne Martens ist zuständig für Finanzen und Personal. Projektpartner des Transferparks ist die Kieler Wirtschaftsförderung GmbH.

Fragen?

Dr. Inge Schröder
T +49 (0)172 / 420 230 8, E schroeder@muthesius.de