Wonnemonat September – Digitale Woche, Nacht der Wissenschaft und InnovationsFestival

Kiel, September 2018. Semesterferien. Die besinnlichste Zeit im Jahr, in der Innehalten großgeschrieben wird, sich Kräfte und Gedanken neu zusammensetzen. Aber Moment mal … Studierende schlagen Nägel in Wände, setzen Wasserwaagen an, reichen VR-Brillen, diskutieren die Chancen und Grenzen des Designs … und ist das nicht gar ein Professor auf dem Fahrrad? Also noch einmal: Kiel, September 2018. Semesterferien und zugleich Monat wissenschaftlicher und innovativer Großveranstaltungen. Bei der Digitalen Woche, der Nacht der Wissenschaft und beim InnovationsFestival war die Kunsthochschule samt Transferpark mit dabei.

 

#diwokiel2018

Vom 8. bis 15. September 2018 ging die Digitale Woche in Kiel in die zweite Runde. In diesem Jahr mit 256 durchgeführten Events und 20 000 Besucher*innen. Vier dieser Veranstaltungen, zwei Ausstellungen, eine Dialogveranstaltung und ein Workshop, steuerte die Muthesius Kunsthochschule zusammen mit dem Transferpark bei, davon zwei am Standort Seeburg an der Kiellinie, wo erstmalig alle Kieler Hochschulen ein gemeinsames Schaufenster bekamen, und zwei in Haus 1 auf dem Anscharcampus, im Zuhause des Kompetenzzentrums der Kunsthochschule, des Muthesius Transferparks. Aber der Reihe nach:

 

Zwei Themen, zwei Orte, zwei Ausstellungen

Zwei Ausstellungseröffnungen innerhalb von zwei Tagen, hier waren Vorbereitung, kluge und vor allem kühle Köpfe gefragt. Zur jährlichen Werkschau „Einblick/Ausblick“, zu der immer im Juli die aktuellen Semester- und Abschlussarbeiten der Muthesianer*innen präsentiert werden, zog das Team des Muthesius Transferparks bereits los, um zu staunen, zu verstehen und: zu scouten. Die geballte Kreativität der Hochschule brachte mehr als 40 vielversprechende Projekte ins Rennen um eine Teilnahme an den Ausstellungen zur Digitalen Woche Kiel. Mithilfe von Prof.in Silke Juchter und Prof. Wolfgang Sasse aus dem Kommunikationsdesign und Prof. Tom Duscher sowie Prof. Frank Jacob aus dem Industriedesign formierten sich bald zwei thematische Schwerpunkte und sodann Ausstellungen: „Freiheit braucht Wahrheit“ rund um die Auswirkungen des digitalen Wandels und „Information und Interaktion – Gestaltung des Digitalen“ zur digitalen Zukunft. Und die Studierenden hatten in ihren Semesterferien Lust, mit dem Transferpark Ausstellungen auf die Beine zu stellen? JA!

Am 10. September war es dann so weit: Die Ausstellung „Freiheit braucht Wahrheit“ wurde durch unseren Präsidenten Dr. Arne Zerbst bei einer gemeinsamen Suppe in Haus 1 auf dem Anscharcampus eröffnet. Dazu ließen sich Arbeiten zur digitalen Transformation und dem daraus hervorgehenden veränderten Umgang mit Nachrichten in der heutigen Zeit bestaunen. Die gezeigten Plakatserien, Videos und Rauminstallationen thematisierten unter anderem „Alternative Facts“, „Reporter ohne Grenzen“ und „Die Freiheit, frei zu sein“. Betreuende Professor*innen waren Tom Duscher, Silke Juchter und Wolfgang Sasse.

Foto: Anke Müffelmann, Featured Image: Anna Siebert

Ausstellende:
Hanzhang Guo, Daniel Schaber, Viviane Harder, Anika Grönwoldt, Ihno Alexander Nakerst, Alexandra Evdokunin, Divya Kowshik, Jan Figura, Teja Metez, Leon Clausen, Sebastian Kommer, Hua Guo, Julia Ahrend, Andrea Kahlke

Und die nächste Ausstellung kam sogleich: Für „Information und Interaktion – Gestaltung des Digitalen“ luden Transferpark und Hochschule am 11. September zur feierlichen Eröffnung in die Seeburg. „Die Exponate zeigen die intelligente und zukunftsweisende Gestaltung des Digitalen“, beschrieb Präsident Dr. Arne Zerbst die Projekte der Ausstellung. Und die Besucher*innen unterschrieben das nur zu gern, auch wenn die Exponate die eine oder andere Rezeptionsgewohnheit auf den Kopf stellten. Die Bürokauffrauen Christin Bräutigam-Lahrs und Nicole Rathjen wollten die Augmented-Reality-App „Kielonium“, die historische Kieler Gebäude wieder zum Leben erweckt, direkt auf ihre Telefone herunterladen – aber noch ist es dahin für das vierköpfige Projektteam ein weiter Weg. „Ich würde die App sofort nutzen! Es ist spannend, dass nicht nur Fertiges präsentiert wird, aber dabei muss ich erst einmal umdenken“, kommentierte Christin Bräutigam-Lahrs. Und der Wunsch nach Umsetzung der Designs, die Prof. Tom Duscher in seinen eröffnenden Worten als „durchdringend“ bezeichnete, blieb kein Einzelfall. Annekatrin Mordhorst, Weiterbilderin an der Christian-Albrechts-Universität, wünschte sich das Rhetorische Analysetool „To the point(s)“ für den täglichen Einsatz. „Ich kann mir das Tool super für Kommunikationstrainings vorstellen.“ Julia Ahrends Projekt visualisiert und vergleicht die eingesetzten Stilmittel in Reden von Angela Merkel und Donald Trump. Insgesamt waren in der Seeburg elf von Prof. Frank Jacob und Prof. Tom Duscher betreute Arbeiten zur digitalen Zukunft aus Sicht von Designer*innen der Studienschwerpunkte Interface Design und Informationsdesign zu sehen.

Fotos: Anke Müffelmann

Ausstellende:
Julia Ahrend, Cornelia Heß, Jihee Gwon, Jade Deazle, Johannes Longardt, Daniel Schaber, Dan Tan, Maria-Luisa Uth, Qianli Ma, Tianmin Hua, Cathrin Königsmann, Maren Zünkler, Jan Figura, Teja Metez, Moritz Aznan, Scicom Lab

 

Data needs poetry

Daten brauchen Poesie – oder um es mit den Worten von Prof. Frank Jacob zu sagen: „Daten brauchen eine Form der emotionalen Bearbeitung, damit sie für uns Menschen wertvoll sind.“ Diese These warf Prof. Jacob am 12. September in der Seeburg in eine Fishbowl mit ca. 35 Teilnehmenden. Dem Diskussionsprinzip entsprechend konnten diese jederzeit von einem äußeren Stuhlkreis zum inneren wechseln, also von Zuhörenden zu Redner*innen werden. Und da ging es rund! Designer*innen, Studierende und Professor*innen, aber auch Besucher*innen aus gänzlich anderen Fachgebieten diskutierten das Selbstbewusstsein des Menschen gegenüber der Technik, die Bedeutung des Machens, eigene Grenzen und die des Designs und nicht zuletzt über die Kunst, Ungewissheit auszuhalten. Die Offenheit des Veranstaltungsformats machte den Mehrwert jener Kunst erfahrbar – Experiment gelungen, fanden wir.

Design: Daniel Schaber

 

160 Zettabytes

Alle guten Dinge sind vier – am Abschlusstag lud der Transferpark die Digitale Woche noch einmal in sein Zuhause, den Anscharcampus, ein. Auch eingeladen: Susanne Dold, Designerin und Coach aus Hamburg, 1000 Reiskörner, 1000 Gummibänder, 1000 Kaffeefilter … und zehn Workshopteilnehmerinnen. Jene durften sich mittels der Methode des kunstanalogen Coachings mit dem digitalen Wandel auseinandersetzen und der Frage nachgehen, wie sich Handlungsstrategien aus dem künstlerischen Gestaltungsprozess in die tägliche Arbeit bzw. den Alltag an sich integrieren lassen. Warum nun 160 Zettabytes und wie soll das funktionieren? Bis 2025 wird sich die weltweite Datenmenge auf über 160 Zettabytes verzehnfachen – eine Zahl mit 21 Nullen! Eine haptisch erfahrbare Idee dieser Datenmasse gab die Materialmenge, die Coach Susanne Dold den Teilnehmenden mitbrachte. Nicht nur die Digitalisierung bzw. der damit einhergehende radikale gesellschaftliche Wandel stellt Menschen vor Herausforderungen, sondern ebenso der etwas andere Umgang mit Dingen, die alltäglich, also bekannt und zweckgebunden, scheinen. Bis auf sprechen war in diesem Workshop nahezu alles erlaubt – lärmen, bauen, zerstören, Schmutz verursachen. Das Machen verdeutlichte dem einen oder anderen eigene Werte und Überzeugungen, gab Entwicklungsaufgaben und Erkenntnisse mit auf den Weg. Ein Auszug: Datenmengen wirken weniger bedrohlich, wenn man einen Schritt zurücktritt, machen macht wirkmächtig und mit Essen darf man spielen.

Foto: Anna Siebert

 

Dig(g)i bitte was?

Und zu guter Letzt, auch bei der Aktion „Dig(g)i bitte was?“, dem Kieler Digital-ABC zur DiWo, waren wir dabei. Aber seht selbst:

 

#wissenistnacht

Nur zwei Wochen später, am Freitag, den 28. September, hieß es „Wissen ist Nacht“ – die in ganz Europa zeitgleich vom späten Nachmittag bis Mitternacht stattfindende Nacht der Wissenschaft wurde zum dritten Mal auch in Kiel ausgerichtet. Und eine Premiere gab es auch: Das erste Mal waren die Beiträge der Kunsthochschule auf dem Anscharcampus zu erleben. In Haus 1 präsentierte der Muthesius Transferpark neues Wissen am historischen Ort. Dabei sorgten mehrere Gäste dafür, dass sich die Vortragsräume bis über den letzten Platz hinaus füllten: Künstlerin Lena Kaapke mit ihrer Untersuchung zur Farbe Rot in den keramischen Technologien – auch zum Anfassen –, das Scicom Lab samt interaktivem Poster, das durch Berührungen die Tiefen des Ozeans entdecken ließ, und Prof. Frank Jacob, der unter dem Titel „Entwerfen hilft gegen Verplanen“ erzählte, was sich vom Design im Umgang mit dem Unbekannten lernen lässt. Überall dabei: das Pure Fruit Team. Die Zeichner*innen von Pure Fruit erweiterten die Vorträge stets um noch eine Dimension, indem sie das Gehörte visualisierten und Besuchende verwundert auf das Zeichenpad auf den Knien und eine Leinwand im Foyer schauen ließen. Und wer mochte, griff auch selbst zum Stift …

Anfassen und mitmachen war auch bei vielen Exponaten der begleitenden Ausstellung „Young Muthesius“ ausdrücklich erwünscht. Die zukunftsweisenden Projekte junge*r Designer*innen und Künstler*innen, die, ebenso wie die an den Ausstellungen zur Digitalen Woche beteiligten Projekte, bei der Jahresschau „Einblick/Ausblick“ vom Team des Transferparks gescoutet worden waren, zogen sich und die Besuchenden durch das gesamte Haus. Wer sich traute, konnten mittels einer VR-Brille durch die Welt der Hummeln jagen, mit dem Team MOKIT eigene Möbel entwerfen oder am Desert Desktop per Sandhügelbau Icons anklicken.

Fotos: Anna Siebert

Ausstellende:
Jan Figura, Teja Metez, Divya Kowshik, Sebastian Kommer, Leon Clausen, Chen Xin, Friederike Pfeiffer, Marc Weidemüller, Benjamin Overhoff, Dan Tan, Maren Zünkler, Jihee Gwon, Jade Deazle, Johannes Longardt, Daniel Schaber, Jihee Gwon, Tianmin Hua, Maria-Luisa Uth, Qianli Ma, Cathrin Königsmann, Paul Kersig, Vera Gereke, Julia Ahrend, Hanzhang Guo, Finn Lassen, Benjamin Unterluggauer, Leon Clausen, Carolin Straka, Henrieke Neumeyer, Simon Bruhns, Ihno Alexander Nakerst, Viviane Harder, Anika Grönwoldt, Hua Guo, Alexandra Evdokunin, Andrea Kahlke, Alex Niggemeyer, Franziska Schneider, Ann-Sophie Kettlitz, Mateusz Dworczyk, Sarah Göbels, Karla Rosenplänter, Hanna Mohr, Cornelia Heß

 

Das InnovationsFestival

Wer glaubt, dass der Muthesius Transferpark nach einer derart gelungenen Nacht ruhte, irrt – am Samstagmorgen rief das InnovationsFestival, das die KielRegion für das deutsch-dänische EU-Projekt VekselWirk ausrichtete, erneut zum Anscharcampus. Dafür öffnete die Ausstellung „Young Muthesius“ noch einmal ihre Pforten, Dr. Inge Schröder steuerte einen Pecha Kucha Workshop bei und das Team des Muthesius Transferparks freute sich an der Vielzahl an nachhaltigen und innovativen Projekten, die die Grünflächen des Anscharparks, das Haus 1 und das Kesselhaus füllten – eine lebhafte Visualisierung davon, dass der Muthesius Transferpark bereits jetzt Teil eines wunderbaren Netzes und einer tollen Kreativszene ist. Und im nächsten Jahr sind wir gewiss wieder dabei …

Foto: Anna Siebert

28.11.2018

Muthesius Transferpark – Gestaltungsraum für Innovation

Der Muthesius Transferpark ist das Kompetenzzentrum der Kunsthochschule. Mit ihrem speziellen Wissen und ihrer Perspektive sind Gestalter, Designer, Raumstrategen und Künstler Impulsgeber in jedem Innovationsprozess. Ganz gleich, ob es dabei um Produkte, Diskurse oder Veränderungsprozesse in Unternehmen, Institutionen oder in der Gesellschaft geht. Weil Transfer immer auch etwas mit Perspektivwechsel zu tun hat, haben wir bewusst Räume außerhalb der Kunsthochschule bezogen: In Haus 1 auf dem Anscharcampus gehören wir zum jungen Kreativquartier in Kiel-Wik.

Transfer ist keine Einbahnstraße: Wir sorgen für den Austausch und für Kooperationen mit Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Mit unseren speziellen Projekt-, Veranstaltungs- und Qualifizierungsformaten verknüpfen wir die Kompetenzen aus verschiedenen Welten. Dabei verstehen wir uns auch als Übersetzer für ein breiteres Verständnis von Design und Gestaltung. Denn hervorragendes Design ist viel mehr als ein Produkt. Es ist ein offener Prozess. Eine Methode, die den Anspruch an höchste Qualität ebenso braucht wie den Mut zum Scheitern, Verwerfen und wieder neu Losgehen – und die gerade darum besonders gut dazu beitragen kann, dass Innovationsvorhaben gelingen. Dass wir dies anbieten können, ist in Schleswig-Holstein etwas ganz Besonderes, denn wir sind die einzige Kunsthochschule im Land.

Transfer heißt bewegen, verändern, umsetzen

Lehrende und Studierende entwickeln jedes Semester Fragestellungen zu den aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Themen, sie erforschen und entwerfen Lösungen. In unserem Innovationslabor auf dem Anscharcampus können Entwürfe vertieft, weitergedacht und umgesetzt werden – als Transferprojekte in allen Themenfeldern, zu denen an der Kunsthochschule, auch interdisziplinär, gelehrt und geforscht wird. Dazu zählen Medical Design/Health Care, Demografie, Mobilität, Nachhaltigkeit/Klimaschutz, Digitalisierung, Wissenschaftskommunikation, Produktion der Zukunft, Zukunft der Innenstadt,

Zum Innovationslabor gehören Arbeitsräume sowie eigene Werkräume. Ausgestattet als moderne Werkstatt ist hier Raum für den Transfer von Ideen und Modellen in umsetzbare Strukturen. Wir beraten und begleiten Projektteams dabei, ihre Entwürfe zu hinterfragen, Gedanken zu vertiefen, mit Material zu experimentieren. Die Werkräume sind zugleich Vernetzungs- und Austauschraum. Experten können hier die Fachkenntnisse ihres Gebietes mit anderen teilen und sich austauschen. Dies ermöglichen wir in wiederkehrenden Gesprächs- und Tüftelrunden zu bestimmten Themen, Materialien oder Werkzeugen als auch mit Fachvorträgen. Für Workshops und größere Veranstaltungen nutzen wir die neu eingerichteten Seminarräume in Haus 1.

Hintergrund

Der Muthesius Transferpark wurde zum 1. April 2017 zunächst für fünf Jahre als Kompetenzzentrum bewilligt. Gefördert mit Mitteln der EU und des Landes Schleswig-Holstein, haben wir im Sommer 2017 unsere Arbeit aufgenommen. Wissenschaftliche Leiterin unseres interdisziplinären Teams ist Dr. Inge Schröder, Prof. Dr. Bettina Möllring leitet das Projekt auf Seiten des Präsidiums der Kunsthochschule. Die Koordinatorinnen Anke Müffelmann und Susanne Kollmann verantworten Innovationslabor, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung sowie Qualifizierung und Internationalisierung. Die Werkräume liegen in den Händen von Tobias Gehrke, Susanne Martens ist zuständig für Finanzen und Personal. Projektpartner des Transferparks sind die Kieler Wirtschaftsförderung GmbH und die Anschar Kultur- und Kreativwirtschaft GmbH.

Weitere Fragen?
Dr. Inge Schröder
schroeder@muthesius.de
T +49 (0)172 840 14 27