„Auf einmal hatte ich einen Schuss in der Milchkanne“ – die Neugestaltung des Kieler Iltisbunkers

Das Konzept „Auf einmal hatte ich einen Schuss in der Milchkanne“ von Prof. Piotr Nathan ist im Frühjahr 2018 als Siegerentwurf aus dem von der Landeshauptstadt Kiel ausgeschriebenen Wettbewerb für die Neugestaltung des Iltis-Hochbunkers in Kiel-Gaarden hervorgegangen. Das Motiv ist eine Gemeinschaftsarbeit, an der bisher schon über 100 Künstler*innen, Kunststudierende und Schulklassen aus Kiel, Gdansk, Zoppot und Gdynia beteiligt sind. Das Wandgemälde thematisiert den Matrosenaufstand von 1918, der in diesem Jahr sein hundertjähriges Jubiläum feiert. Und Revolution ist bei diesem Kunstwerk Gestaltungsprinzip, denn Piotr Nathans Entwurf wird von den Beteiligten auf Leinwände übertragen – und dabei frei interpretiert. Jedes der insgesamt 320 Elemente des Werks zeigt in der Realisierung die besondere Handschrift einer individuellen Person. Und die beteiligende Komponente hört hier noch nicht auf: Auch Schüler*innen der Gaardener Fröbelschule, deren täglicher Schulweg am Iltisbunker entlangführt, hat Piotr Nathan in den Entstehungsprozess einbezogen. Eine Ausstellung in der Halle 400 in Kiel ließ am 6. und 7. November die Vision der Neugestaltung konkret erlebbar sowie den aktuellen Stand des Prozesses erfahrbar werden. Die beteiligten Künstler*innen, aber auch Schüler*innen sowie Studierende konnten an diesen Tagen zum ersten Mal sowohl einander als auch die individuellen Arbeiten jedes Einzelnen, die zugleich Teil des großen Gemeinschaftswerks sind, kennenlernen. 

Um das Wandbild des Künstlers und Professors für Freie Kunst an der Muthesius Kunsthochschule, das sich ab Ende nächsten Jahres über die Außenwände des Hochbunkers erstrecken soll, ist trotz eines intensiven, den Wettbewerb begleitenden Beteiligungsprozesses eine Kontroverse entstanden. Die Initiative „Bunkerbild“ setzt sich für den Erhalt des aktuell am Bunker befindlichen Bildes „Revolution und Krieg“ von Shahin Charmi ein. Die Stadt Kiel schloss eine Restaurierung des stark abbröckelnden Bildes aufgrund der hohen Kosten bereits aus und schrieb daraufhin den Wettbewerb aus, den Prof. Nathan für sich entschied. 

Der Muthesius Transferpark steht dem Künstler Piotr Nathan beratend zur Seite und begleitet den Prozess um die Neugestaltung der Bunkerfassade. Die Muthesius Kunsthochschule steht hinter Prof. Nathans Entwurf. 

Fotos: Anna Siebert

28.11.2018

Muthesius Transferpark – Gestaltungsraum für Innovation

Der Muthesius Transferpark ist das Kompetenzzentrum der Kunsthochschule. Mit ihrem speziellen Wissen und ihrer Perspektive sind Gestalter, Designer, Raumstrategen und Künstler Impulsgeber in jedem Innovationsprozess. Ganz gleich, ob es dabei um Produkte, Diskurse oder Veränderungsprozesse in Unternehmen, Institutionen oder in der Gesellschaft geht. Weil Transfer immer auch etwas mit Perspektivwechsel zu tun hat, haben wir bewusst Räume außerhalb der Kunsthochschule bezogen: In Haus 1 auf dem Anscharcampus gehören wir zum jungen Kreativquartier in Kiel-Wik.

Transfer ist keine Einbahnstraße: Wir sorgen für den Austausch und für Kooperationen mit Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Mit unseren speziellen Projekt-, Veranstaltungs- und Qualifizierungsformaten verknüpfen wir die Kompetenzen aus verschiedenen Welten. Dabei verstehen wir uns auch als Übersetzer für ein breiteres Verständnis von Design und Gestaltung. Denn hervorragendes Design ist viel mehr als ein Produkt. Es ist ein offener Prozess. Eine Methode, die den Anspruch an höchste Qualität ebenso braucht wie den Mut zum Scheitern, Verwerfen und wieder neu Losgehen – und die gerade darum besonders gut dazu beitragen kann, dass Innovationsvorhaben gelingen. Dass wir dies anbieten können, ist in Schleswig-Holstein etwas ganz Besonderes, denn wir sind die einzige Kunsthochschule im Land.

Transfer heißt bewegen, verändern, umsetzen

Lehrende und Studierende entwickeln jedes Semester Fragestellungen zu den aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Themen, sie erforschen und entwerfen Lösungen. In unserem Innovationslabor auf dem Anscharcampus können Entwürfe vertieft, weitergedacht und umgesetzt werden – als Transferprojekte in allen Themenfeldern, zu denen an der Kunsthochschule, auch interdisziplinär, gelehrt und geforscht wird. Dazu zählen Medical Design/Health Care, Demografie, Mobilität, Nachhaltigkeit/Klimaschutz, Digitalisierung, Wissenschaftskommunikation, Produktion der Zukunft, Zukunft der Innenstadt,

Zum Innovationslabor gehören Arbeitsräume sowie eigene Werkräume. Ausgestattet als moderne Werkstatt ist hier Raum für den Transfer von Ideen und Modellen in umsetzbare Strukturen. Wir beraten und begleiten Projektteams dabei, ihre Entwürfe zu hinterfragen, Gedanken zu vertiefen, mit Material zu experimentieren. Die Werkräume sind zugleich Vernetzungs- und Austauschraum. Experten können hier die Fachkenntnisse ihres Gebietes mit anderen teilen und sich austauschen. Dies ermöglichen wir in wiederkehrenden Gesprächs- und Tüftelrunden zu bestimmten Themen, Materialien oder Werkzeugen als auch mit Fachvorträgen. Für Workshops und größere Veranstaltungen nutzen wir die neu eingerichteten Seminarräume in Haus 1.

Hintergrund

Der Muthesius Transferpark wurde zum 1. April 2017 zunächst für fünf Jahre als Kompetenzzentrum bewilligt. Gefördert mit Mitteln der EU und des Landes Schleswig-Holstein, haben wir im Sommer 2017 unsere Arbeit aufgenommen. Wissenschaftliche Leiterin unseres interdisziplinären Teams ist Dr. Inge Schröder, Prof. Dr. Bettina Möllring leitet das Projekt auf Seiten des Präsidiums der Kunsthochschule. Die Koordinatorinnen Anke Müffelmann und Susanne Kollmann verantworten Innovationslabor, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung sowie Qualifizierung und Internationalisierung. Die Werkräume liegen in den Händen von Tobias Gehrke, Susanne Martens ist zuständig für Finanzen und Personal. Projektpartner des Transferparks sind die Kieler Wirtschaftsförderung GmbH und die Anschar Kultur- und Kreativwirtschaft GmbH.

Weitere Fragen?
Dr. Inge Schröder
schroeder@muthesius.de
T +49 (0)172 840 14 27